Der Raubbau an den tropischen
Regenwäldern geht ungebremst weiter. Trotz gegenteiliger Behauptungen
spielt der internationale Holzhandel bei der Zerstörung der letzten
verbliebenen tropischen Primärwälder weiterhin eine Schlüsselrolle.
Derzeit versucht die Holzwirtschaft mit einer breitangelegten Medienkampagne
und umfangreicher Lobbyarbeit Kommunen, Einzelhändler und VerbraucherInnen
zur Abkehr von Tropenholzverzicht zu bewegen. Ihr Hauptargument: Es gebe
Tropenholz aus "nachhaltiger" Bewirtschaftung. Als Beweis werden einzelne
Modellprojekte angeführt, die von den allgemein immer noch üblichen
Raubbaumethoden ablenken.
Tropenholzverzicht
wirkt und muß fortgesetzt werden
Viele Kommunen und VerbraucherInnen
wollen durch die Verwendung von Tropenholz nicht an der weiteren Zerstörung
der tropischen Regenwälder beteiligt sein. Durch ihren bewußten
Verzicht gingen Tropenholzimporte zurück, es entwickelte sich eine
öffentliche Debatte und die Forderung, eine naturverträgliche
Waldwirtschaft in allen Wäldern einzuführen. Für die VerbraucherInnen
bleibt der Verzicht auf Tropenholz weiterhin wichtigstes Druckmittel, diese
Forderung umzusetzen. Denn in der Mehrzahl der Fälle hat sich die
Einschlagpraxis in den Tropen bisher nicht geändert:
Fast sämtliches, auf
den Markt gelangendes Tropenholz stammt nach wie vor von Betrieben, die
eine ökologisch verträgliche und sozial gerechten Waldnutzung
nicht nachweisen können.
Naturverträgliche
Waldwirtschaft ist überfällig
Auch in den nördlichen
Wälder, vor allem in Kanada und Rußland wird Raubbau betrieben.
In den Wäldern Skandinaviens haben hunderte von Tier- und Pflanzenarten
durch die industrielle Forstwirtschaft ihren Lebensraum verloren. Auch
im Norden lenken große Holzunternehmen mit einzelnen Musterprojekten
von verheerenden Kahlschlägen und der Mißachtung von Ureinwohnerrechten
ab. Eine naturverträgliche Waldwirtschaft, wie sie auch durch das
völkerrechtlich verbindliche "übereinkommen über die biologische
Vielfalt" und die 1992 in Rio de Janeiro verabschiedete "Agenda 21" gefordert
wird, ist überfällig.
Zertifikate
sind nur mit akzeptierten Kriterien tauglich
Für Holz aus den Tropen
wie aus dem Norden tauchen in zunehmenden Maße die verschiedensten
"Umweltsiegel" auf, die ökologische Unbedenklichkeit bescheinigen
sollen. Viele dieser Zertifikate sind pauschale Erklärungen, die von
Regierungen und Holzfirmen ausgestellt werden. Sie entbehren einer objektiven
und anerkannten Bewertungsgrundlage und sind aufgrund fehlender sowie nachprüfbarer
Kriterien ohne jede Aussagekraft. Die Unterzeichnenden unterstützen
weiterhin Bemühungen, zu denen auch Zertifizierungsinitiativen zählen,
um eine nachhaltige Waldwirtschaft in allen Wäldern einzuführen.
Unverzichtbare Elemente eines jeden Zertifikats über Waldbewirtschaftung
sind unter anderem:
-
der Erhalt des Waldes in seiner
natürlichen Vielfalt und Dynamik,
-
die Anerkennung von traditionellen
Landrechten und Zustimmung der lokalen Bevölkerung, die das Recht
zur freien Meinungsäußerung haben muß,
-
Verzicht auf Pestizideinsatz
und Kahlschläge,
-
Veröffentlichung der Prüfkriterien,
der Prüfberichte und der Lage der zertifizierten Waldbetriebe,
-
regelmäßiges Monitoring
der ökologischen Auswirkungen,
-
Unabhängigkeit des Zertifiziers
von Wirtschaft und Politik.
Diese elementaren Forderungen
erfüllt derzeit auch der Forest Stewardship Council (FSC) nicht oder
nicht in ausreichendem Maße. Zudem kritisieren die Unterzeichnenden,
daß die industrielle Waldbewirtschaftung in den noch verbliebenen
Primärwäldern - die seit 1991 selbst von der Weltbank nicht mehr
gefördert wird - nicht ausgeschlossen ist.
FAZIT:
Verzicht auf Tropenholz weiterhin notwendig
-
Derzeit ist der Anteil Hölzer,
die aus einer ökologisch und sozial verträglichen Waldwirtschaft
stammen, verschwindend gering. Solange der Nachweis einer ebensolchen sozial
verträglichen und naturgemäßen Waldwirtschaft nicht glaubhaft
gemacht werden kann, ist von der Verwendung von Tropenholz abzusehen. Fachleute
gehen von einer mehrjährigen Umstellungsfrist aus.
-
Die unterzeichnenden Verbände
fordern deshalb die VerbraucherInnen im öffentlichen wie privaten
Bereich unverändert auf, Holz aus der Region zu kaufen und damit die
Umstellung auf eine flächendeckende naturverträgliche Waldbewirtschaftung
zu unterstützen. Damit wird auch ein weitergehender Umweltschutzbeitrag
geleistet, indem dem Prinzip der Regionalisierung von Stoffströmen
Rechnung getragen wird und Belastungen des Klimas durch den globalen Güterverkehr
eingeschränkt werden.
-
Die Unterzeichnenden werden
auch FSC-Zertifikaten nur in den Fällen ihre Zustimmung erteilen,
in denen sämtliche oben genannten Bedingungen nach objektiver Bewertung
umfassend und garantiert erfüllt sind. Die Verbände werden im
intensiven Dialog mit dem FSC dazu beitragen, die Kriterien und Prinzipien
entsprechend zu verbessern. Solange keine grundlegende Verbesserung eintritt,
können die Verbände FSC-Zertifikate nicht empfehlen.
-
Zertifizierung kann zur Verbesserung
der Waldwirtschaft beitragen. Einen zuverlässigen Rahmen für
den Schutz und die naturverträgliche Nutzung der Wälder weltweit
können nur rechtsverbindliche internationale Vereinbarungen und deren
konsequente Umsetzung schaffen. Dazu gehören nach Auffassung der unterzeichnenden
Verbände konkrete Schritte von Seiten der Bundesregierung, die den
Raubbauhölzern den Zugang zum Markt erschweren.
-
Die Verbände fordern von
Bundesregierung und anderen politischen Entscheidungsträgern auf Bundes-
und Länderebene die Umstellung auf eine flächendeckende naturverträgliche
Waldbewirtschaftung im gesetzlichen Bereich zu beschleunigen und durch
entsprechende Stützungsmaßnahmen zu fördern. Auf internationaler
Ebene fordern sie die Bundesregierung auf, sich aktiv für die Aufnahme
bedrohter Baumarten in das Washingtoner Artenschutzabkommen einzusetzen
und sich weiter mit Nachdruck für eine völkerrechtlich verbindliche
Vereinbarung im Rahmen des "übereinkommens über die biologische
Vielfalt" einzusetzen, die auf das Ziel eines dauerhaften Schutzes der
Naturwälder der Erde und die Wahrung der Rechte indigener Völker
ausgerichtet ist.
-
Der demonstrative Verzicht auf
den Kauf von Holz aus Ländern, die ihre nationale Waldpolitik nicht
spürbar an diesen Zielen ausrichten, bleibt auch zukünftig ein
wesentlicher Beitrag, den VerbraucherInnen und Kommunen zum Erhalt der
verbliebenen Wälder der Erde leisten können.
Träger
der Erklärung sind:
-
Arbeitsgemeinschaft Regenwald
und Artenschutz - Wolfgang Kuhlmann
-
Artists for Nature - Bernhard
Henselmann
-
Greenpeace Deutschland - Christoph
Thies
-
Gesellschaft für ökologische
Forschung - Sylvia Hamberger
-
infoe - Harald Hofsäß
-
Naturschutzbund Deutschland
- Wilhelm Bode
-
Oro Verde - Hans Strobl
-
Pro REGENWALD - Hermann Edelmann
-
Rettet den Regenwald - Reinhard
Behrend
-
Robin Wood - Christoph Meyer
-
Urgewald - Jutta Kill
Stand: 23. Februar 1996
|