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Erklärung zur Zertifizierung von Waldwirtschaft
"Zertifikate für Holz machen Tropenholzverzicht nicht überflüssig", 1996
Der Raubbau an den tropischen Regenwäldern geht ungebremst weiter. Trotz gegenteiliger Behauptungen spielt der internationale Holzhandel bei der Zerstörung der letzten verbliebenen tropischen Primärwälder weiterhin eine Schlüsselrolle. Derzeit versucht die Holzwirtschaft mit einer breitangelegten Medienkampagne und umfangreicher Lobbyarbeit Kommunen, Einzelhändler und VerbraucherInnen zur Abkehr von Tropenholzverzicht zu bewegen. Ihr Hauptargument: Es gebe Tropenholz aus "nachhaltiger" Bewirtschaftung. Als Beweis werden einzelne Modellprojekte angeführt, die von den allgemein immer noch üblichen Raubbaumethoden ablenken.

Tropenholzverzicht wirkt und muß fortgesetzt werden

Viele Kommunen und VerbraucherInnen wollen durch die Verwendung von Tropenholz nicht an der weiteren Zerstörung der tropischen Regenwälder beteiligt sein. Durch ihren bewußten Verzicht gingen Tropenholzimporte zurück, es entwickelte sich eine öffentliche Debatte und die Forderung, eine naturverträgliche Waldwirtschaft in allen Wäldern einzuführen. Für die VerbraucherInnen bleibt der Verzicht auf Tropenholz weiterhin wichtigstes Druckmittel, diese Forderung umzusetzen. Denn in der Mehrzahl der Fälle hat sich die Einschlagpraxis in den Tropen bisher nicht geändert:

Fast sämtliches, auf den Markt gelangendes Tropenholz stammt nach wie vor von Betrieben, die eine ökologisch verträgliche und sozial gerechten Waldnutzung nicht nachweisen können.

Naturverträgliche Waldwirtschaft ist überfällig

Auch in den nördlichen Wälder, vor allem in Kanada und Rußland wird Raubbau betrieben. In den Wäldern Skandinaviens haben hunderte von Tier- und Pflanzenarten durch die industrielle Forstwirtschaft ihren Lebensraum verloren. Auch im Norden lenken große Holzunternehmen mit einzelnen Musterprojekten von verheerenden Kahlschlägen und der Mißachtung von Ureinwohnerrechten ab. Eine naturverträgliche Waldwirtschaft, wie sie auch durch das völkerrechtlich verbindliche "übereinkommen über die biologische Vielfalt" und die 1992 in Rio de Janeiro verabschiedete "Agenda 21" gefordert wird, ist überfällig.

Zertifikate sind nur mit akzeptierten Kriterien tauglich

Für Holz aus den Tropen wie aus dem Norden tauchen in zunehmenden Maße die verschiedensten "Umweltsiegel" auf, die ökologische Unbedenklichkeit bescheinigen sollen. Viele dieser Zertifikate sind pauschale Erklärungen, die von Regierungen und Holzfirmen ausgestellt werden. Sie entbehren einer objektiven und anerkannten Bewertungsgrundlage und sind aufgrund fehlender sowie nachprüfbarer Kriterien ohne jede Aussagekraft. Die Unterzeichnenden unterstützen weiterhin Bemühungen, zu denen auch Zertifizierungsinitiativen zählen, um eine nachhaltige Waldwirtschaft in allen Wäldern einzuführen. Unverzichtbare Elemente eines jeden Zertifikats über Waldbewirtschaftung sind unter anderem:
  • der Erhalt des Waldes in seiner natürlichen Vielfalt und Dynamik,
  • die Anerkennung von traditionellen Landrechten und Zustimmung der lokalen Bevölkerung, die das Recht zur freien Meinungsäußerung haben muß,
  • Verzicht auf Pestizideinsatz und Kahlschläge,
  • Veröffentlichung der Prüfkriterien, der Prüfberichte und der Lage der zertifizierten Waldbetriebe,
  • regelmäßiges Monitoring der ökologischen Auswirkungen,
  • Unabhängigkeit des Zertifiziers von Wirtschaft und Politik.
Diese elementaren Forderungen erfüllt derzeit auch der Forest Stewardship Council (FSC) nicht oder nicht in ausreichendem Maße. Zudem kritisieren die Unterzeichnenden, daß die industrielle Waldbewirtschaftung in den noch verbliebenen Primärwäldern - die seit 1991 selbst von der Weltbank nicht mehr gefördert wird - nicht ausgeschlossen ist.

FAZIT: Verzicht auf Tropenholz weiterhin notwendig

  • Derzeit ist der Anteil Hölzer, die aus einer ökologisch und sozial verträglichen Waldwirtschaft stammen, verschwindend gering. Solange der Nachweis einer ebensolchen sozial verträglichen und naturgemäßen Waldwirtschaft nicht glaubhaft gemacht werden kann, ist von der Verwendung von Tropenholz abzusehen. Fachleute gehen von einer mehrjährigen Umstellungsfrist aus.
  • Die unterzeichnenden Verbände fordern deshalb die VerbraucherInnen im öffentlichen wie privaten Bereich unverändert auf, Holz aus der Region zu kaufen und damit die Umstellung auf eine flächendeckende naturverträgliche Waldbewirtschaftung zu unterstützen. Damit wird auch ein weitergehender Umweltschutzbeitrag geleistet, indem dem Prinzip der Regionalisierung von Stoffströmen Rechnung getragen wird und Belastungen des Klimas durch den globalen Güterverkehr eingeschränkt werden.
  • Die Unterzeichnenden werden auch FSC-Zertifikaten nur in den Fällen ihre Zustimmung erteilen, in denen sämtliche oben genannten Bedingungen nach objektiver Bewertung umfassend und garantiert erfüllt sind. Die Verbände werden im intensiven Dialog mit dem FSC dazu beitragen, die Kriterien und Prinzipien entsprechend zu verbessern. Solange keine grundlegende Verbesserung eintritt, können die Verbände FSC-Zertifikate nicht empfehlen.
  • Zertifizierung kann zur Verbesserung der Waldwirtschaft beitragen. Einen zuverlässigen Rahmen für den Schutz und die naturverträgliche Nutzung der Wälder weltweit können nur rechtsverbindliche internationale Vereinbarungen und deren konsequente Umsetzung schaffen. Dazu gehören nach Auffassung der unterzeichnenden Verbände konkrete Schritte von Seiten der Bundesregierung, die den Raubbauhölzern den Zugang zum Markt erschweren.
  • Die Verbände fordern von Bundesregierung und anderen politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Länderebene die Umstellung auf eine flächendeckende naturverträgliche Waldbewirtschaftung im gesetzlichen Bereich zu beschleunigen und durch entsprechende Stützungsmaßnahmen zu fördern. Auf internationaler Ebene fordern sie die Bundesregierung auf, sich aktiv für die Aufnahme bedrohter Baumarten in das Washingtoner Artenschutzabkommen einzusetzen und sich weiter mit Nachdruck für eine völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung im Rahmen des "übereinkommens über die biologische Vielfalt" einzusetzen, die auf das Ziel eines dauerhaften Schutzes der Naturwälder der Erde und die Wahrung der Rechte indigener Völker ausgerichtet ist.
  • Der demonstrative Verzicht auf den Kauf von Holz aus Ländern, die ihre nationale Waldpolitik nicht spürbar an diesen Zielen ausrichten, bleibt auch zukünftig ein wesentlicher Beitrag, den VerbraucherInnen und Kommunen zum Erhalt der verbliebenen Wälder der Erde leisten können.

Träger der Erklärung sind:

  • Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz - Wolfgang Kuhlmann
  • Artists for Nature - Bernhard Henselmann
  • Greenpeace Deutschland - Christoph Thies
  • Gesellschaft für ökologische Forschung - Sylvia Hamberger
  • infoe - Harald Hofsäß
  • Naturschutzbund Deutschland - Wilhelm Bode
  • Oro Verde - Hans Strobl
  • Pro REGENWALD - Hermann Edelmann
  • Rettet den Regenwald - Reinhard Behrend
  • Robin Wood - Christoph Meyer
  • Urgewald - Jutta Kill
Stand: 23. Februar 1996

Quelle:  Pro REGENWALD e.V.
Frohschammerstr. 14, 80807 München
Tel: 089-359 8650, Fax: 089-359 6622
e-mail: prmunic@amazonas.comlink.apc.org


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